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Voraussetzungen für eine erfolgreiche Umfrage: Formulieren

Voraussetzungen für eine erfolgreiche Umfrage: Antworten formulieren

Verstehen – Erinnern – Beurteilen – Formulieren: In den letzten drei Beiträgen ging es bereits um das Verständnis, das Erinnerungsvermögen und die Beurteilungsfähigkeit Ihrer Teilnehmer. Nun sind wir beim vierten Beitrag über die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Umfrage angekommen und beschäftigen uns mit dem Thema „Antworten formulieren“.


Den ersten Beitrag zum Thema „Verstehen“ finden Sie hier.
Den zweiten Beitrag zum Thema „Erinnern“ finden Sie hier.
Den dritten Beitrag zum Thema „Beurteilen“ finden Sie hier.


Nicht nur die richtigen Fragen sind relevant für den Erfolg Ihrer Umfrage, auch die richtigen Antworten müssen gegeben werden können. Über die Details von verschiedenen Frage- und Antworttypen soll es hier jedoch nicht gehen, sondern vielmehr um einen groben Überblick, wie Sie Ihre Antworten richtig formulieren können.

In Kategorien denken? Manchmal.

Ganz klar – es gibt Vor- und Nachteile von geschlossenen und offenen Fragen. Das ist Thema für einen ganz eigenen Blogpost (oder, falls Sie Fragen dazu haben, melden Sie sich bei mir). Geschlossene Fragen, die mit Kategorien arbeiten, können spezielle Gefahren mit sich bringen, über die Sie im konkreten Fall nachdenken sollten (dazu unten mehr). Aber eben auch gewisse Vorteile, wie zum Beispiel eine bessere Auswertbarkeit.

Ein Beispiel: Sie sind Treuhänder von Beruf und füllen eine Umfrage aus, in der Sie Ihr Tätigkeitsfeld aus einer Liste auswählen sollen. Ihre genaue Berufsbezeichnung gibt es nicht, doch Sie können sich in eine Kategorie einordnen („Steuern/Recht“).

Auch Ihnen ist bestimmt schon einmal eine Liste untergekommen, in die Sie sich hätten einsortieren sollen – aber Sie haben die passende Kategorie einfach nicht gefunden. Nicht alles lässt sich in Kategorien aufteilen. In vielen Fällen ist es trotzdem sinnvoll, Kategorien zu bilden. Diese können Sie allenfalls noch mit einer zusätzlichen „sonstiges“-Option, mit oder ohne Textfeld, ergänzen.

Denn der Vorteil bei der Auswertung liegt auf der Hand. Stellen Sie sich vor, Sie fragen 200 Personen, und jeder schreibt seine Berufsbezeichnung in ein Textfeld – der Aufwand bei der Auswertung wäre in keinem Verhältnis. Mit Kategorien werden Sie einen Grossteil der Teilnehmer einsortiert bekommen, und die übrigen können Sie unter „sonstiges“ relativ leicht von Hand auswerten.

Psychologische Effekte beachten.

Wenn Ihnen jemand eine lange Liste von Dingen aufzählt, an welche erinnern Sie sich? Vermutlich an die ersten oder an die letzten, die in der Mitte gehen irgendwo verloren. Dieses Phänomen nennt man Reihenfolgeeffekt: Bei einer Frage, die eine Reihe von Antworten anbietet, tendieren Menschen also dazu, die ersten oder die letzten auszuwählen. Diesem können Sie entgegenwirken, indem Sie ein technisches Mittel verwenden: Die Randomisierung. Dabei werden jedem Teilnehmer die Antworten in einer unterschiedlichen Reihenfolge vorgelegt – die Wahrscheinlichkeit, dass überdurchschnittlich oft dieselben ersten und letzten Antworten ausgewählt werden, sinkt.

Ein weiterer Effekt hängt mit dem Auftraggeber der Umfrage zusammen: Der sogenannte Sponsorship-Effekt. Teilnehmer tendieren dazu, dem Fragenden einen Gefallen tun zu wollen. Fragen Sie also in eigenem Namen, ist die Wahrscheinlichkeit, dass Ihre Teilnehmer zu Ihren Gunsten antworten, etwas höher. Das ist eine der Risiken dabei, Kundenumfragen selbst durchzuführen. Möchten Sie das vermeiden, sollten Sie darüber nachdenken, die Umfrage extern durchführen zu lassen.

bärtiger Mann blickt durch eine Lupe

Immer wieder wird infrage gestellt, warum ein Unternehmen einen externen Dienstleister für eine Kundenbefragung aufbieten sollte. Warum man kann eine Kundenumfrage eher nicht selbst durchführen sollte.

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Erwartungen und soziale Normen.

Nun sind wir als Menschen geprägt, Dinge in ein Verhältnis zu setzen. Entsprechend interpretieren wir auch die vorgegebenen Antworten in ihrem Zusammenhang, und versuchen Erwartungen zu erkennen und ihnen zu entsprechen. Das kann auch durch gegebene Antwortkategorien geschehen.

Ein klassisches Beispiel: In einer Studie wurden zwei Gruppen von Teilnehmern nach ihrem Fernsehkonsum befragt. Die erste Version der Umfrage begann in der vorgegebene Antwortskala mit einem kleinen Intervall (0 bis ½ Stunde), die zweite Version mit einem großen Intervall. In der letzteren Version ergab sich ein bedeutend höherer berichteter Fernsehkonsum als bei der ersten Variante.

Wir lesen aus Antwortmöglichkeiten eine Erwartung, in diesem Fall bei der ersten Version der Befragung die Erwartung, dass es Menschen gibt, die weniger als eine halbe Stunden pro Tag fern sehen. Je nach den damit verknüpften sozialen Normen (hoher Fernsehkonsum ist sozial eher unerwünscht) entscheiden wir uns für eine Antwort, die sich eher im sozial erwünschten Rahmen befindet – in diesem Fall also für die kleinere Dauer.

Wenn Sie eine erfolgreiche Umfrage durchführen möchten, behalten Sie solche normativen Erwartungen also im Hinterkopf und passen Sie gegebenenfalls die Antwortoptionen entsprechend an.

Bleiben Sie neutral.

Ein Beispiel: Sie möchten herausfinden, mit welchen Verkehrsmitteln Ihre Teilnehmer sich im Alltag fortbewegen. Sie formulieren folgende Frage:
„Umweltschutz spielt heutzutage eine wichtige Rolle in der Gesellschaft. Welche Verkehrsmittel benutzen Sie vorwiegend?“. Ganz sicher werden mehr Teilnehmer als Antwort „öffentliche Verkehrsmittel“ nennen, als bei einer neutralen Formulierung ohne Referenz auf den Umweltschutz der Fall wäre.

Bleiben Sie neutral, wenn Sie keine verschobenen Antworten haben möchten. Eine Bindung Ihrer Frage an Wertvorstellungen kann Ihre Teilnehmer verunsichern und zum Beschönigen ihrer Antwort verleiten.

Insgesamt gilt, dass Sie positive oder negative Begriffe als Antwortoptionen vermeiden sollten. Versuchen Sie, unaufgeregt zu formulieren, und auch extreme und kontroverse Begriffe zu vermeiden. Gerade Themen, die in der Öffentlichkeit lautstark diskutiert werden, polarisieren Ihre Teilnehmer auch. Je nach Gesinnung könnten sie sich von extremen Begriffen abschrecken oder anziehen lassen, und damit wäre keine differenzierte Bewertung mehr möglich.

Die Voraussetzungen einer erfolgreichen Umfrage: Formulieren Sie mit Bedacht!

Oftmals wird bei der Erstellung einer Umfrage viel Wert auf die Frage und weniger Wert auf die Antworten gelegt. In diesem Beitrag haben Sie daher einige Hinweise darauf bekommen, worauf Sie achten können, um Ihrer Umfrage zum Erfolg zu verhelfen. Gern stehe ich Ihnen mit Rat und Tat zu Seite, melden Sie sich einfach bei mir.

dunkelroter Briefumschlag auf grauem Grund

Kann ich Sie bei Ihrer eigenen Umfrage unterstützen? Ich freue mich, wenn Sie unverbindlich Kontakt mit mir aufnehmen!

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